Dringliche Beats und packende Hooks treffen auf eine Gästeliste de luxe
Die Musik von KITSCHKRIEG ist im Hip‑Hop grundiert, gleichzeitig hat das Trio den Begriff aber immer denkbar weit gefasst. Das unterstrich ihr 2020 erschienenes Album „KITSCHKRIEG“, auf dem so unterschiedliche Acts wie Nena, Modeselektor und AnnenMayKantereit zu hören waren. Es ist also keine allzu große Überraschung, dass „KITSCHKRIEG ZWEI“ jetzt erneut Grenzen aufweicht. Christoph Erkes, Christian Yun-Song Meyerholz und Nicole Schettler – auch bekannt als Fizzle, Fiji Kris und °awhodat° – setzen darauf die Erforschung eines radikal offenen Popbegriffs fort. Die so urbanen wie eleganten Beats bewegen sich zwischen Hip‑Hop, luftig in Szene gesetzten elektronischen Texturen und Future Pop, während abgedunkelte Sounds den Songs eine zusätzliche Tiefenschärfe geben.
Dass das Trio zuletzt auch in Großbritannien und in den USA gearbeitet hat, wirkt dabei eher als sinnvolle Ergänzung denn als Bruch im eigenen Kosmos. In dessen Zentrum bleibt das Prinzip der kreativen Befruchtung: Die Stimmen, die Melodien und die Gedanken von Levin Liam, Provinz, Domiziana oder ENNIO werden nicht einfach nur auf die jeweiligen Songs draufgepackt, sondern nahtlos mit diesen verwoben. Und wenn im abschließenden „Gut Genug“ die Gefühlsgiganten Blumengarten und die Grande Dame des Rap Shirin David über flackernden Beats zwei emotionale Welten vereinen, wird klar: KITSCHKRIEG sind aktuell die erste Adresse, wenn es darum geht, die Crowd gleichzeitig zum Tanzen, Denken und Fühlen zu bringen.