Seine Geschichte als Puerto Ricaner – das Prequel zu seinem Album von 2024
„Ich wollte damals die klassische Ära anklingen lassen, die Salsa-Rhythmen, die puerto-ricanische Immigration“, sagt Rauw Alejandro im Gespräch mit Apple Music zu den Gründen für seine Rückkehr in die Welt seines innovativen, reifen Albums „Cosa Nuestra“ von 2024. „Aber dabei habe ich so viele Dinge und Klänge gefunden, dass ein einziges Album einfach nicht gereicht hat.“ Und so erzählt er auf „Cosa Nuestra: Capítulo 0“ eher eine Vorgeschichte als eine Fortsetzung und entfernt sich noch weiter von dem bahnbrechenden Futurismus seiner „SATURNO“-Ära. „Ich wollte ganz tief in meine Geschichte als Puerto Ricaner eintauchen“, sagt er.
Dabei knüpft der Latin-Superstar wieder stärker an die karibischen Einflüsse seiner Anfänge an – eine bewusste Entscheidung, die dem Album einen absolut einzigartigen Sound mit starken kulturellen Wurzeln verleiht. Er arbeitet mit genretypischen und genrefremden Formen und präsentiert mit Songs wie „Caribeño“ und „NÁUFRAGOS“ immersive Tracks, denen abgenutzte Buzzwords wie „Fusion“ nicht einmal im Ansatz gerecht werden.
„Egal ob Sounds oder Musik, bevor ich irgendwas verwende, will ich immer erst alles darüber wissen“, erklärt Alejandro. „Auch über die Geschichte dahinter.“ Ob Salsa in „FALSEDAD“ oder Bachata in „SILENCIO“ – seine Songs klingen immer so, als wäre er schon immer in dem Genre zu Hause, in dem er sich gerade bewegt. Er verschmilzt das Spirituelle und das Weltliche im exquisit tropischen „GuabanSexxx“ und spielt mit polyrhythmischer Percussion im verführerisch vielschichtigen Lovesong „Carita Linda“.
Alejandros Gäste auf „Cosa Nuestra: Capítulo 0“ steuern alle eine gelungene Mischung aus Vertrautem und Neuem bei: von der Pop-erfahrenen puerto-ricanischen Sängerin De La Rose bis hin zum experimentierfreudigen dominikanischen Rapper Jey One. Wisin und Ñengo Flow etwa lassen heißblütigen Perreo in „CONTRABANDO“ einfließen, der Groove des Tracks geht aber über Standard-Reggaeton hinaus. Und selbst wenn Alejandro die Karibik verlässt: Alle Acts fügen sich perfekt in sein mit so viel Detailverliebtheit konstruiertes musikalisches Universum ein, die nigerianische Sängerin Ayra Starr und ihre Afrobeats in „Santa“ genauso wie Mon Laferte mit ihrem chilenischen Alt-Pop in „Callejón de los Secretos“. „Ich hatte keine Ahnung, wohin mich das alles führen würde“, sagt Alejandro. „Und so wächst man mit jedem Song weiter, als Künstler und als Mensch.“